70 Jahre nach 1945 – „Niemals vergessen!“

Von Robert Reischer

Diese Forderung wird immer schwieriger, weil die Zeitzeugen älter und immer weniger werden und die persönliche Betroffenheit der Jüngeren im Zeitabstand verblasst.

Ich habe die zwei Brüder meiner Mutter, Toni und Franz Zagler, nie kennengelernt, weil sie im Krieg gefallen sind; Anton Burger, ein Cousin meines Vaters, war 1942 als SS-Offizier Stadtkommandant von Theresienstadt und konnte unter falschem Namen bis ins hohe Alter in Deutschland leben.

Am 8. Mai 1945 kapitulierte die gesamte deutsche Wehrmacht, der Zweite Weltkrieg war in Europa zu Ende. Japan ergab sich erst am 15. August 1945, nach dem Abwurf der beiden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Über 60 Millionen Menschen wurden ermordet, sind im Kampf gefallen, auf der Flucht ertrunken oder auf andere nicht natürliche Weise zu Tode gekommen.
60 Millionen – das ist fast zehnmal ganz Österreich!!!
Im Piestingtal fanden ab April 1945 Rückzugsgefechte statt, in deren Verlauf die Wehrmacht den Auftrag der SS erhalten hatte, Brücken und wichtige Anlagen zu zerstören um der Roten Armee den Weg zu versperren.

Im Zuge dessen sollte auch das Kraftwerk der Papierfabrik in Ortmann gesprengt werden, was jedoch durch den entschlossenen Auftritt von zwei Widerstandskämpfern – Hans Köberl und Heinz Teichmann – verhindert werden konnte. Sie wurden sehr viel später durch die Auszeichnung der Republik Österreich geehrt.

Für Pernitz ist sonnenklar, dass der heutige relative Wohlstand vor allem durch die Ortmanner Papierfabrik mit den dort beschäftigten Arbeitern und jenen der zuliefernden Gewerbeunternehmen geschaffen wurde, die bei Kriegsende von der SS und der Wehr-macht zerstört werden sollte.

Auch jene, die diverse Aspekte dieser furchtbaren Zeit wie die „ordentliche Beschäftigungspolitik“ ( Jörg Haider) immer noch gut finden, müssen daran erinnert werden, dass Nationalismus auch heute wieder zu Fremdenhass und sozialen Ungerechtigkeiten führt, was von den Populisten und Unersättlichen für ihre egoistischen Interessen zum Schaden der „normalen“ Leute ausgenützt wird – Privatisierungen, Lohndumping, Pensionskürzungen etc.

Quellen:
„Der Bezirk Wr. Neustadt und seine Gemeinden“, S.177 ff, Peter Apfl,
http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg