Billigeren Strom-Großkundentarif für ihren eigenen Haushalte

Vor allem beim Gasbezug lässt sich über die Einkaufsgemeinschaft tatsächlich relevant Geld sparen

Der Winter steht vor der Türe, die Energiepreise bleiben trotz anhaltender Kritik von e-control und Konsumentenvereinen auf zu hohem Niveau. Nicht nur das, die vor der Nationalratswahl von Wien Energie großspurig angekündigte Weitergabe von Strom- und Gaspreissenkungen von dreieinhalb Prozent, wurde wenige Tage nach der Wahl durch die Erhöhung der Fixkosten wieder wett gemacht. Leute-Fopperei auf der ganzen Linie.

Dabei sind die Abgabepreise der Energieversorger für Strom für private Bezieher*innen laut Angaben des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegenüberüber den Großhandelspreisen um satte 40 Prozent teurer! Daher errichtet der VKI derzeit eine Energie-Einkaufsgemeinschaft. Konsument*innen, die an dieser Einkaufsgemeinschaft für Strom und Gas teilnehmen wollen können sich bis 16. Dezember unverbindlich und kostenlos auf der Internetseite www.energiekosten-stop.at anmelden. Teilnehmen können alle Privathaushalte in Österreich. Der VKI organisiert mit den Anmeldungen ein Bestbieterverfahren aus den landesweit besten Angeboten für Ökostrom, Gas und den Komibezug von Strom (nicht Ökostrom) und Gas.

Zwischen Mitte Jänner und Ende Februar 2014 können dann alle angemeldeten privaten Energiebezieher*innen entscheiden, ob sie auf den neuen Tarif umsteigen wollen. Der Umstieg funktioniert dann über ein online-Formular, die restlichen Schritte erledigt der VKI.

Eine Aktivität, die sich durchaus auszahlt, denn vor allem beim Gasbezug sind für Haushalte spürbare Einsparungen möglich. Ein Durchschnittshaushalt verbraucht mit 15.000 kWh pro Jahr wesentlich mehr Gas als Strom. Daraus rechnet die e-control Einsparungspotentiale von 150 Euro pro Kund*in und Jahr vor. Besonders perfide in diesem Zusammenhang ein Brief der niederösterreichischen EVN an die Letzverbraucher*innen. Tatsächlich entspricht es nicht den Tatsachen, dass ausländische Gasanbieter die heimischen Versorgungsstandards ignorieren können.

Die e-control begrüße die Energie-Einkaufsgemeinschaft mit Verweis auf die guten Erfahrungen, die in anderen Ländern mit solchen Maßnahmen erreicht werden konnten. Gleichzeitig wiederholt der Regulator seine Kritik an den Anbietern. Bundesweit könnte man den privaten Kleinkunden 170 bis 190 Millionen Euro Ersparnis zukommen lassen, dagegen sind die drei bis vier Prozent derzeit gewährte Verbilligung „doch zu mickrig“, führt Vorstand Walter Boltz aus.

Eine Ermäßigung in Höhe von zehn Prozent, wie sie der Verbund per 1. September vollzog, sei „zumindest einmal ein ordentlicher Schritt“. Die Bruttomargen von über 40 Prozent für die Anbieter hält die e-control auch daher für unangemessen, weil die Energieversorgungsunternehmen in ihrem jeweiligen Gebiet mit 70 Prozent Anteil der Marktführer sind. Boltz hält Margen von um die zehn Prozent und bei kleinen Anbietern von 20 bis 25 Prozent für richtig.

Zusätzlich dürften diese Zahlen ohnehin noch nach oben zu korrigieren sein. Derzeitige Berechnungen beruhen auf Modellszenarien, weil die Unternehmen die Anforderung von internen Kalkulationen und Einstandspreisen mit ihren Einsprüchen blockiert haben. Bis es also detaillierte Angaben zu den Marktmachtmissbräuchen (O-Ton orf.at) gibt, muss erst die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs abgewartet werden, die für Ende 2013 erwartet wird. Boltz betont, dass dem Regulator die Einsicht in diese Zahlen schließlich aufgrund von EU-Verordnungen zusteht. Laut e-control enden solche Wettbewerbsverfahren in Deutschland zu etwa 90 Prozent mit „freiwilligen“ Zugeständnissen der Versorger. Im Klartext zahlen sie Geld an die Kund*innen zurück.

Christiane Maringer ist Stadträtin für Energie, Umwelt und Verkehr der Liste Baum in Purkersdorf und Aktivistin der KPÖ

maringer@kpoe.at

Informationen zur kostenlosen Energiegrundsicherung für Haushalte – ein Konzept der KPÖ für leistbares Wohnen