Der Wald hinterm Zaun

Eine etwas differenziertere Betrachtung von Jagdgattern und den darin lebenden Tieren und was die Auflassung eines Gatters derzeit bedeuten würde

Man hat in den letzten Monaten einiges gehört über die Jagd im Gatter, von zu Tode gehetzten Tieren und der Forderung nach einem sofortigen Entfernen der Zäune. Teilweise wurden die wildesten Geschichten erzählt. Aber man sollte sich selbst ein Bild machen und nicht alles glauben was zur Erreichung eines Kampagnenzieles teilweise verbreitet wird.

Jagdgatter ist eine andere Bezeichnung für eine umfriedete Eigenjagd. Die Mindestgröße beträgt 115 Hektar mit Wild wie Wildschweinen, Damwild, mitunter auch Rehen, Mufflons und Rotwild. In Niederösterreich bestehen mehr als 70 solcher Gatter, zwischen denen große Unterschiede betreffend Größe, Wildbestand und Bejagung zu beobachten sind. Es gibt Gatter wo man stundenlang herumwandern kann und keinem einzigen Wildtier begegnet. Das Wild vermehrt sich dort wie in der freien Wildbahn auch. Der jährliche Zuwachs wird entweder vom Ansitz oder mittels ein bis drei Bewegungsjagden oder Kombinationen von beiden entnommen. Je nach Nahrungsangebot wird im Winter zugefüttert oder auch nicht. Es gibt aber natürlich auch andere, wo man teilweise eine große Zahl von Wildschweinen aus nächster Nähe beobachten kann und sich manche sogar über den Rüssel streicheln lassen.

Bei einer Treibjagd im Gatter werden Wildtiere von TreiberInnen, manchmal auch Hunden, in Bewegung gebracht und vom Hochstand aus erlegt. Es gibt teilweise zahlende Jagdgäste, die dann, gemeinsam mit revierkundigen StandbegleiterInnen, am Hochstand sitzen und die Tiere schießen. Eine derartige Jagd zu beobachten ist kein besonders schönes Erlebnis.

Was wären die Alternativen dazu?

Es gibt nun einmal diese Gatter, manche bestehen schon jahrzehntelang. Mittlerweile ist die Neuerrichtung von umfriedeten Eigenjagden in Niederösterreich verboten, ebenso die Anlieferung von Wildtieren zu reinen Jagdzwecken. Bestehende Gatter werden in diesen Monaten einer umfangreichen Überprüfung unterzogen. Aber was soll man mit den alten Zäunen tun?

Die Grünen NÖ sprangen bereitwillig auf die Kampagne eines Tierrechtsvereines auf, forderten ein Entfernen der Zäune innerhalb von zwei Jahren und kündigten groß an, diesbezüglich einen Antrag im Landtag einzubringen. Dabei war es absehbar, dass ihnen das mangels notwendiger Mandate gar nicht möglich sein würde, und selbst wenn, hätte dieser Antrag kaum die nötige Unterstützung gefunden.

Zu bedenken ist jedenfalls, dass nach dem geltenden Jagdgesetz bei Entfernen des Zauns gewährleistet sein muss, dass Schwarz- und Damwild nicht in die freie Wildbahn gelangt. Im Klartext bedeutet das, dass das Gatter vorher leergeschossen werden muss. Welche AktivistInnen und PolitikerInnen werden dann dabei sein und helfen auch noch den letzten Frischling aus den Dickungen zu treiben? In Wirklichkeit wurden hier populistische und unrealistische Forderungen gestellt, ohne nur ansatzweise die Konsequenzen mitzubedenken. Von heute auf morgen diese Gatter aufzulösen wird nicht möglich sein bzw. zumindest nicht die optimale Lösung darstellen.

Möglich wäre zum Beispiel eine Differenzierung nach der Größe. In einem kleinen Gatter könnte man auf TreiberInnen verzichten und mittels Ansitzjagd den Bestand regulieren. Auch könnte man unter Umständen auf den Einsatz von Hunden verzichten oder diesen beschränken, was weniger Beunruhigung der Wildtiere bedeuten würde.

Ohne eine Änderung der gesetzlichen Bestimmungen zur Gatterauflösung und Maßnahmen in einer längeren Übergangsphase wird man diese Zäune jedenfalls nicht niederreißen können, genauso wie man keinen sinnvollen Lösungsvorschlag zusammenbringen wird, ohne den offenen Dialog mit VertreterInnen der Jägerschaft zu suchen.

Alexandra Benedik, Tierschutzsprecherin der KPÖ