Im Westen wenig Neues

Zwischenbericht über die Arbeiten für einen Taktfahrplan entlang der Wienerwaldstrecke.

Der neue Zug-Fahrplan wird wenige, unwesentliche Veränderungen bringen. Für einzelne Gemeinden an der Wienerwaldstrecke Wien-St.Pölten mehr – für Purkersdorf zum Beispiel für unter Tags – für andere weniger oder gar deutliche Verschlechterungen. Um mit Gregor Planche vom Aktionskomitee Unsere Westbahn – unsere Busse zu sprechen: „Dieser Fahrplan bietet in der Hauptverkehrszeit von Montag bis Freitag Verbesserungen zwischen Unter Purkersdorf und Tullnerbach-Pressbaum. Das ist unumstritten (…). Das sind 8,2 km (davon fallen 5,1 km auf das Gemeindegebiet von Purkersdorf) von den 60,6 km (Wien-St.Pölten) für die wir kämpfen!“ Vor allem bleibt der Fahrplan der Logik einer Regelarbeitszeit verhaftet, die für immer mehr Menschen nicht mehr stimmt.

Am neuen Fahrplan hat sich nicht annähernd genug verändert, um den Bedürfnissen der Menschen in der Region zu entsprechen die täglich nach Wien zur Arbeit oder auch um Freizeit zu genießen pendeln. Das obwohl die Fertigstellung der neuen Trasse der jahrelang versprochene Zeitpunkt für eine Verdichtung des Verkehrs war. Das obwohl die Parkplatzsituation drastisch schärfer geworden ist, seit das Parkpickerl in Wien auf die westlichen Außenbezirke ausgeweitet wurde.

Dafür haben die herrschenden Politiker in Niederösterreich – übrigens Schwarze wie Rote – sich heftig ins Zeug gelegt um die aufkommende Bewegung für einen Taktfahrplan gleich wieder im Keim zu ersticken. Kaum haben wir unser Unterschriftensammlung für einen Taktfahrplan gestartet, quollen die schwarzen Bezirks- und Ortszeitungen über vor Berichten, dass dieser ohnehin realisiert werden würde (Echo 251 „Mit dem 15-Minuten-Takt ins neue Jahr“). In mehreren Informationsveranstaltungen präsentierten VOR, Land und ÖBB schön gestaltete Folien für die BürgermeisterInnen und GemeindevertreterInnen der Anrainergemeinden in denen alles mögliche dargestellt war, nur kein einziges Mal der angedachte Fahrplan. Die SPÖ in Purkersdorf ließ den Sommer mit einem Bürgermeisterempfang im regionalen Nobellokal, Nikodemos beginnen: Bei Sekt zu Beginn und feinem Buffet am Ende konnten sich die anwesenden BürgerInnen aus erster Hand informieren, dass kein Handlungsbedarf in Sachen Öffentlicher Verkehr bestehe. Konnte die SPÖ doch – im Gegenzug zu den ÖVP-Initiativen im Land – ein paar Verbesserungen für einzelne Gemeinden über das Verkehrsministerium erwirken. Der Herrenrunde fehlte zum Thema „Zukunft der Bahn“ leider jede Vision. Also lieferte man auch hier weitere Stückwerke zum Fleckerlteppich Öffentlicher Verkehr ohne erkennbares Gesamtkonzept.

Dabei am Geld würde es nicht Mangeln – bei entsprechend sinnvoller Umschichtung: Das Land Niederösterreich leistet sich immerhin sechs Millionen für einen Ortumfahrungs-Kilometer. Laut ORF wurden im Oktober 2009 870 Millionen Euro für 23 Ortsumfahrungen veranschlagt. Der Modellfahrplan des Aktionskomitees für die gesamte Westbahnstrecke (also inklusive der neuen Trasse über das Tullnerfeld) würde 2,28 Millionen Euro kosten.

Obwohl also genug an Verwirrung gestiftet wurde, haben an der online-Aktion für einen Taktfahrplan 988 Menschen teilgenommen. Haben damit jeweils ein Email unter ihrem Namen an die zuständigen Landespolitiker geschickt und eine schön formulierte Antwort zurück erhalten. Mindestens zweihundert weitere Menschen haben den Takt-Fahrplan auf Unterschriftenlisten gefordert. Das Land fand bis heute nicht einmal einen Termin, an dem wir diese Bekundungen gesammelt übergeben hätten können.

Auch ein Signal, wie weit es ums Demokratieverständnis in Niederösterreich bestellt ist. Eines ist jedenfalls klar, so schnell geben wir nicht auf. Sobald der Fahrplan schwarz auf weiß vorliegt werden die Verwirrspiele nicht mehr greifen und wir mit unserer Arbeit wieder da sein.

Die Forderung nach einem Taktfahrplan kann immer noch unterstützt werden:

takt.puon.at

Christiane Maringer ist Stadträtin für Energie, Umwelt und Verkehr der Liste Baum in Purkersdorf und Aktivistin im Aktionskomitee Unsere Westbahn – Unsere Busse