Rede des KLS-Gemeinderates Mag. W. Mahrer bei der Gedenkfeier in Hadersdorf

Bild: Gedenkfeier zum 70 Jahrestag der Ermordung von 61 politischen Gefangenen am 7. April 1945 durch SS und Nazimob in Hadersdorf. Im Bild die Kremser Gemeinderäte  Mag. Mahrer als Redner und Mag. Bergmaier als Moderator der Feier.

Werte Antifaschistinnen und Antifaschisten!
Danke, dass Sie zum 70. Jahrestag durch ihre Anwesenheit den hier bestialisch Ermordeten wieder gedenken und damit dem „Nie wieder Faschismus!“ erneut Ausdruck verleihen.
Wir stehen hier vor einer Gedenktafel deren Errichtung Jahrzehnte zu spät und dann mit einer politischen Provokation erfolgte. Man hat seitens der Ortspolitik das zuvor vereinbarte erklärende Wort „politische“ vor 61 Gefangenen einseitig weggelassen.
So hatte ich bisher über diese Tafel gedacht. Heute sehe ich dies in einem größeren Zusammenhang.

Es erfolgt eine bewusste politisch gewollte Umfälschung der Geschichte durch die EU und in den von ihr beeinflussten Staaten vor allem in Ex-Jugoslawien. Deutscher Faschismus als Verbrechen soll aus unseren Gehirnen verdrängt werden und der Kampf gegen Russland wieder verankert werden.
Im letzten Mai war ich mit meinem Sohn in Serbien um nach Spuren des Widerstandes meines Vaters und seines Wiener Freundes, der deswegen als Hochverräter erschossen wurde, zu suchen. Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass die Erinnerung an den Widerstand der Tito-Partisanen die Jugoslawien fast selbstständig von den Deutschen Nazis befreiten, heute bewusst unterdrückt wird. Im Gegenteil es werden die massenmordenden Kollaborateure wie die Cetniks, Nedic-Truppen, Ustascha etc. im Dienste eines neuen fanatischen Nationalismus als Antikommunisten und Nationalisten idealisiert und die Partisanen kriminalisiert.
Die Denkmäler und Kriegsmusen verfallen und sind geschlossen. Deutschland darf nicht mehr als ehemaliger völkermordender und brandschatzender Feind gesehen werden, sondern als Helfer gegen alles was Sozialistisch war. Die wissenschaftliche Bestätigung zu diesen geschichtsrevisionistischen Vorgängen fand ich kürzlich im Buch „Mythos Partisan“ das 2013 in der Reihe antifaschistischer Texte des Unrast-Verlages Hamburg erschien. In einem Kapitel werden die serbischen Schulbücher der letzten 20 Jahre in ihrer Informationsstrategie zum 2. Weltkrieg in diese Richtung analysiert und gezeigt, dass dringend benötigte EU-Forschungsgelder nur die Universitäten und Forschungsstellen bekommen, wenn sie diesem neuen Revisionismus folgen.
Bei uns in Österreich gab es Jahrzehnte lang auch nur Krieger- und Heldendenkmäler und kaum Gedenkstätten für die österreichischen Widerstandskämpfer. Auch in der Nachkriegspolitik und Verwaltung fanden sie kaum Platz von wenigen Ausnahmen abgesehen. Im Gegenteil eine Entnazifizierung die den Namen nicht verdiente, bot den Tätern erneut Zugang zu den Schalthebeln der Macht. Die Befreiung 1945 wurde und wird als Besetzung dargestellt und die verabscheuungswürdigen Vergewaltigungen durch Rotarmisten stehen im Vordergrund. Verbrechen, die absolut verwerflich sind und waren. Diese Untaten können aber ohne den Hintergrund der Nazipolitik der verbrannten Erde welche die Wehrmacht in der SU anwandte, nicht als das verstanden werden was sie waren, die brutale Rache des einzelnen Siegers. Gab es nach dem Krieg noch einige wenige ehrliche Wehrmachtssoldaten die eingestanden, wenn die Russen das mit uns gemacht hätten was wir taten, hätten wir nicht überlebt und alles wäre zerstört worden. Heute sind diese Wahrheiten verstummt. Verbrannte Erde bedeutete, dass man am Rückzug alle Dörfer und Städte, Straßen, Brücken und Eisenbahnen zerstörte, die Bevölkerung liquidierte oder zur Zwangsarbeit verschleppte. Bei uns hat die Rote Armee dagegen z. B. die Mautner-Brücke wiederaufgebaut, die Kremser Kaserne geräumt um Schulen und Wohnungen für die Kremser zu schaffen. Aber das soll offenbar in unserem Bewusstsein nicht überleben, denn auch heute bracht man wieder den Mythos „böser Russe“.
Hier im Nachbarort lebt Dr. Macho ein seit kurzem pensionierter akademischer Mitarbeiter der ORF-Nachrichtenredaktion. Er behauptet in Leserbriefen in der NÖN zu den Büchern von Dr. Streibel über die Geschichte von Krems in der Nazizeit „Die von heutigen Historikern, darunter (dem Initiator des Projektes), Dr. Robert Streibl konstatierte Judenfeindlichkeit gab es damals offensichtlich in Krems nicht.“
In Wirklichkeit hatte Krems den 1. NSDAP-Bürgermeister in Österreich, das NS-Handgranatenattentat im Alauntal führte zum Verbot der NSDAP im Ständestaat, Krems wurde Gauhauptstadt und meldete sich stolz als erste judenfreie Stadt der Ostmark.
Den griechischen Widerstandskämpfer, der das Stein-Massaker schwer verletzt überlebte, Gerassimos Garnelis verunglimpfte er in einem weiteren Leserbrief. Er zweifelte an seiner Widerstandstätigkeit und stellte den bewaffneten Kampf der griechischen Partisanen, ganz im Geist der Nazis, als völkerechtswidrig dar. Nicht die Nazis waren Völkerrechtsverletzer mit ihrer Okkupation ganz Europas und ihren Massenmorden, nein die Menschen die sie bekämpften.
Warum gibt es heute noch solche ewig Gestrige? Ganz einfach dieser Ungeist war und ist teilweise noch immer karrierefördernd. Gleich nach Kriegsende brauchte man im Kalten Krieg die Nazis als Antikommunisten und die Wirtschaftskraft Westdeutschlands, die 1945 trotz alles Zerstörungen um 40% höher war als 1933, für den Kalten Krieg gegen die SU. Deswegen musste Westdeutschland keine Kriegsreparationen an die okkupierten Länder zahlen und bekam auch noch Marshallplanhilfe. Etwas, das bekanntlich gerade jetzt im Finanzstreit zwischen Griechenland und Deutschland wieder hochkocht.
Uns wird noch immer die SU als Verhinderer des Staatsvertrages und der Deutschen Einheit dargestellt. Dabei ging es bei Österreich und Westdeutschland um die Eingliederung in die NATO. Mit Adenauer gelang das 1949 in Deutschland, in Österreich liefen paralell die Vorbereitungen mit B-Gendarmarie und heimlichen Rekrutierungsplänen für Österreicher auf italienischem Staatsgebiet. Vor 1 oder 2 Wochen gab es auf einem ZDF-Sonderkanal (ZDF-Neo der History) einen historischen Bericht wie man 1953 das Angebot der SU unter Stalin zu einer Deutschen Wiedervereinigung unter der Bedingung der Neutralität seitens Adenauers negierte und Westdeutsche und US-Medien bewusst falsche Darstellungen dazu erfanden. Historiker müssen heute zugeben, dass Stalin dieses Angebot ernst meinte. Jetzt sieht man in den Archiven, dass man seitens der USA aus der Frontstellung des Kalten Kriegs lieber ein geteiltes NATO-Deutschland statt ein vereinigtes neutrales Deutschland hatte. Einen Film den man bei uns sicher nie im ORF sehen wird, solange dort der Geist eines Dr. Macho vorherrscht. Nicht die von der österreichischen Politik lange und teilweise noch heute bevorzugte NATO-Option war das Hindernis in den Staatsvertragsverhandlungen sondern die Schuld wird den Russen zugeschoben, die nicht wollten dass Österreicher wie in den 2 Weltkriegen zuvor wieder an deutscher Seite im Rahmen der NATO, Front gegen sie machen. Erst als man zur Neutralität bereit war gab es ganz rasch eine Einigung.
Wenn im heutigen Kurier-Interview Bundespräsident Fischer sagt 1945 gab es nur 2 glaubwürdig demokratische Parteien im wiedererstanden Österreich: SPÖ und ÖVP dann ist das auch eine Simplifizierung der Geschichte. Renner und die SP hatte beim Anschluss und den Krieg hindurch den Verbleib unseres Landes bei Deutschland begrüßt. Noch 1941 wurde z. B. Maria Köstler aus der SPÖ Leitung ausgeschlossen weil sie für ein unabhängiges Österreich eintrat. Die ÖVP als erklärte Nachfolgerin der Christdemokraten und ihrer austrofaschistischen Diktatur waren auch nur zum kleinen Teil Demokraten. Die Negierung des Beitrags der Kommunisten als Führender Kraft des Widerstandes zum Wiederentstehen und Aufbau Österreichs auf Basis der Moskauer Deklaration zeigt ebenfalls den Revisionismus in unserer Geschichtsschreibung.
Wenn Österreich und die ganze EU im Herbst in der UNO-Vollversammlung einer Resolution gegen die Verherrlichung von Faschismus und Nazigreul, die Zustimmung verweigerte, zeigt dies wo unsere Politik heute wieder steht. Daher – wehret den Anfängen – Danke