Spektakuläre Deserteur-Gedenktafel-Setzung in Krems

Auf Initiative des Kremser Historikers Dr. Robert Streibel und Gerhard Pazderka – Enkel eines 1945 ermordeten politischen Gefangenen – wurde am 10. Oktober 2009 in Krems eine Gedenkveranstaltung mit Setzung von Deserteur-Gedenktafeln durchgeführt.

„Heute ist ein besonderer Tag, denn heute wird die Ausstellung ‚Eine Stadt biographiert sich selbst‘ im Kunstraum Krems-Stein eröffnet. Wir haben die Aufforderung ernst genommen und wollten sichergehen, dass in dieser Biographie auch alle Seiten gefüllt sind“, sagte Streibel. Und: „Wir feiern heute eine Premiere, denn heute werden wir das erste Denkmal für Deserteure eröffnen, nicht irgendwo, sondern im Alltag, mitten in der Stadt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn wenn Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war, dann müsste es erste patriotische Pflicht gewesen sein, den Dienst in der Wehrmacht zu verweigern.“

„Dieses Denkmal, diese Meile der Deserteure, ist nicht genehmigt, wir haben nicht gefragt“, bekannte Streibel, der nur die Veranstaltung, nicht aber die Denkmalsetzung anmeldete. Aber: „Wer fragt, wenn etwas selbstverständlich ist? Fragen Sie, ob Sie atmen dürfen? Die Tafeln stehen dort, wo sie stehen sollen: hier auf dem Südtirolerplatz, denn hier wurden drei Männer, die mit ihrer Einheit desertiert sind, gehängt; und dann beim Denkmal von Karl Eibl, diesem höchst dekorierten General der Deutschen Wehrmacht von ‚Niederdonau‘ und dann beim Sappeurdenkmal für die ‚Helden der Pflicht‘ des Ersten Weltkrieges.“

„Illegale Gedenktafeln“ behördlich weggeräumt

Rund 50 Personen hatten sich an der Denkmalsetzung in Krems beteiligt. Gekommen waren unter anderem Gemeinderätin Andrea Bergmeier (SPÖ), Gemeinderat Franz Kral (KPÖ), Richard Wadani und Dr. Thomas Geldorfer vom Verein für Gerechtigkeit für die Opfer der Militärjustiz und die Nachkommen des Kremser Deserteurs Karl Mörwald. Am Ende der Veranstaltung stellten sich alle die Frage, wie lang diese Tafeln wohl stehen bleiben würden.

Nicht lange, wie sich herausstellte. Am Montagmorgen, 12. Oktober, waren die Tafeln verschwunden. Nicht „Ewiggestrige“ hatten sie entfernt, sondern die Stadtbehörde per „amtswegigem Einschreiten“. Den Teilnehmern der Gedenktafel-Setzung droht eine Verwaltungsstrafe. Streibel blickt einem allfälligen Verfahren gelassen entgegen: „Ich glaube nicht dass einer der Beteiligten eine Strafe bezahlen wird. Für diese Sache gehen wir auch ins Gefängnis.“

Demnächst will das Personenkomitee bei der Stadtverwaltung einen offiziellen Antrag auf Errichtung eines fixen Denkmals für Deserteure auf öffentlichem Grund einbringen. Bürgermeisterin Inge Rinke (ÖVP) signalisierte Gesprächsbereitschaft.