Warum wir auf unsere Gehälter verzichten
Pressestelle - Niederösterreich
7. Januar 2026
Warum wir auf unsere Gehälter verzichten -Interview mit Max Zirngast
Warum verzichten KPÖ-Abgeordneteauf einen Teil ihres Gehalts?
Max:Bei der KPÖ behalten Mandatar:innen nur ein durchschnittliches Facharbeitergehalt. Alles darüber hinaus fließt in die Unterstützung von Menschen in Not. Der Gehaltsverzicht ist ein zentraler Baustein unserer Politik von unten: Wir zeigen damit, dass wir Politik ernst nehmen, nah bei den Menschen bleiben und nicht zur Selbstbereicherung nutzen. Politik ist für uns Ehrenamt und Dienst an der Gesellschaft.
Warum ist das gerade heute besonders wichtig?
Max:Viele Menschen sind von der Politik enttäuscht und wollen sich nicht damit beschäftigen,weil die Parteien fast auswechselbare Politik machen und ihre Versprechen nicht einhalten. Die Menschen haben das Gefühl, dass es egal ist, was sie wählen. Politik wird, so die Wahrnehmung, nicht im Interesse der Menschen gemacht, sondern im Interesse der Parteiapparate und Politiker. Die hohen Politgehälter und üppigen Parteienförderungen untermauern diese Wahrnehmung. Wir wollen zeigen: Wir sind anders als die anderen. Wir leben das, was wir sagen und versuchen, keine großen Versprechungen, sondern Politik für die Menschen zu machen. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir uns auch keine hohen Gehälter behalten, sondern einen großen Teil wieder an die Bevölkerung zurückgeben.
Wie wirken sich abgehobeneGehälter auf die Politik aus?
Max:Hohe Polit-Gagen entfremden Entscheidungsträger:innen von der Lebensrealität der Mehrheit. Wenn man selbst hohe Bezüge hat, vielleicht sogar Mehrfachbezüge, dann verliert man das Gefühl dafür, was Lebensmittel kosten oder was es bedeuten kann, wenn die Waschmaschine kaputt geht. Deswegen ist unsere Devise: Helfen statt Kassieren.
Welche Rolle spielen die Sprechstunden dabei?
Max:In den Sprechstunden können wir unbürokratisch und direkt helfen mit Beratung, Kontakten zu Behörden, beim Ausfüllen von Formularen oder mit einmaliger finanzieller Unterstützung, wenn wir dafür die Mittel haben. Das werden wir selbstverständlich auch in St. Pölten tun, wenn wir in den Gemeinderat einziehen und unsere Bezüge zur Verfügung haben. Die Sprechstunden sind aber auch aus einem anderen Grund wichtig. Sie liefern wertvolle Einblicke in die Probleme und Sorgen der Menschen, die wir in unsere politische Arbeit einfließen lassen. Viele Menschen haben dadurch das Gefühl, dass sie von der Politik wieder ernst genommen werden.
Wird die KPÖ die Erfahrungen aus Grazund Salzburg auch in St. Pölten fortführen?
Max:Auf jeden Fall. Unsere Art Politik zu machen hat sich bewährt. Unsere Mittel werden anfangs vielleicht noch bescheiden sein, aber sollte uns der Einzug in den Gemeinderat gelingen, dann werde ich mich selbstverständlich auch an die Gehaltsobergrenze halten und einen Teil meines Bezuges an Menschen in Not abgeben.