Pröll schliesst leichtfertige Schließung der Glanzstoff aus

Presseerklärung der KPÖ-Niederösterreich zur Schließung der Glanzstoff St. Pölten. — LH Pröll hatte schnell den SP-Bürgermeister von St. Pölten als Schuldigen für die Schließung der Glanzstoff zur Hand. Gleichzeitig streute er dem Konzernherren, Cornelius Grupp, Rosen und meinte, er (Pröll) kenne ihn gut genug um zu wissen, dass Grupp nicht leichtfertig diesen Traditionsstandort schließe.

Selten wurden Arbeiter und Angestellte von der Politik mehr verhöhnt, als dadurch. Statt um den Standort selbst zu kämpfen, sucht Pröll nur die billige politische Schuldzuweisung, dabei hat die Landesregierung selbst die neuen Umweltauflagen bekräftigt.

Seit jeher waren nicht sentimentale Anhänglichkeiten für das Großkapital Anlass für eine Standortentscheidung, sondern beinharte Vergleiche der Profitraten. Besonders der unkontrollierte freie Kapitalverkehr der EU verleitet immer mehr Betriebe nach größeren Standortvorteilen, wie billigere Löhne, Subventionen, niedrigere Steuern, geringere Umweltauflagen etc. zu suchen. Dies trifft sicher auch auf einen Konzernherren wie C. Grupp zu. Wenn in Österreich keine Subventionen mehr zu holen sind und man „unverschämter Weise“ ab 2009 neue Umweltstandards gesetzlich einführt, wandert man halt samt Know How und Kapital in ein anderes der eigenen Werke, z.B. in Tschechien, aus. Für die 327 Mitarbeiter stand diese Drohung seit Jahren im Raum. Schon vor dem Brand wurden weitere Verbesserungen der Umweltsituation als „wirtschaftlich nicht machbar“ bezeichnet und kaum mehr in die Modernisierung der Reifencordproduktion investiert, gleichzeitig aber 120 Mitarbeiter „freigesetzt“ ohne dass es LH Pröll auch nur ein Wort gekostet hätte.

Der Gipfelpunkt der Frechheit von C.Grupp ist aber die Aufforderung an die Stadt, man möge bei der Verwertung der dann ungenützten Gebäude und Liegenschaften kooperieren. Man erwartet sich offenbar auch davon noch einen fetten Profit, zu Lasten der Stadt. C. Grupp wird sich aber auch dabei auf den vertrauten Landesvater Pröll verlassen können.

C. Grupp ist offensichtlich so arm, dass er sich eine ordentliche Abluftreinigung nicht leisten kann. Er macht ja mit 5600 Mitarbeitern weltweit nur die Kleinigkeit von ca. 1,2 Milliarden Umsatz und spricht dabei selbst von angemessener Ertragslage. Da man aber für Produktionsverlagerungen am neuen Standort Förderungen bekommt und dort mehr Profit macht, zieht das Kapital halt gerne mal um. Bei den 290 gekündigten Mitarbeitern in St. Pölten werden sich aber sicher keine Politiker mit Subventionen anstellen, diese Ehre gilt nur für den Superreichen.

Wo kommt der Reichtum von C. Grupp eigentlich her, mit dem er neben Glanzstoff auch noch die Aluminiumwerke Neumann – Prefa in Lilienfeld und Stölzle Oberglas in Köflach zusammenraffen konnte?

Die Grupp-Familie ist Teil der bayrischen Krauss-Maffei Rüstungsdynastie, die in den beiden Weltkriegen, aber auch heute noch, mit Waffen blutiges Geld verdient. Wen wundert es, auch die längst überflüssigen Leopard-Panzer des österreichischen Bundesheeres kommen aus diesem Konzern.

Als Vorstand von „Europe 500“ lässt C. Grupp jährlich die am schnellsten wachsenden europäischen Unternehmen ermitteln. Mit seinem, gegen die St. Pöltner Mitarbeiter geführten Handstreich, wird C. Grupp 2009 sicher zu den „Besten“ in diesem Wettbewerb zählen. Die arbeitslosen Mitarbeiter werden aber kaum mehr eine Arbeit finden, bei der der Lohn zum Leben reicht. Für ihre zukünftige Lebenssituation hat der Soziologe Heinz Bude das neue Schlagwort „überflüssige Menschen“ geprägt.

Glanzstoff – einfach ein Kollateralschaden der Profitgier des von LH Pröll so geliebten Großkapitals – oder?

KPÖ – klein aber ehrlich!

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