Sigi Maron, 14.05.1944 – 18.07.2016

Sigi Maron ist nicht mehr. Jederzeit, so hatte er uns vor zwei Jahren gesagt, könne es ihn nach seiner schweren Operation erwischen. Seit seinem 12. Lebensjahr, nach dem Überleben der Kinderlähmung, saß er im Rollstuhl. Aufgrund schwerer gesundheitlicher Probleme musste er 1997 mit dem aktiven Musikmachen und Liveauftritten Schluss machen. Sigi, der von sich sagte, dass er „wahrscheinlich in allen Volksheimen Österreichs“ gespielt hatte, über die damit verbundenen Anstrengungen: „Ich sing‘ ja mit meinem ganzen Körper. Und nachdem ich bis hierher gelähmt bin, sing ich mit dem, was nicht gelähmt ist. Das kostet mich so viel Kraft, dass ich nach einem Konzert halbtot bin.“ 2010 kehrte er überraschend auf die Bühnen zurück, und spielte Konzerte bis 2014.

Viele Erinnerungen kommen auf, anlässlich der nunmehrigen zahlreichen Würdigungen – vor allem seines Schaffens betreffend Lieder und Texte, die von politischen und sozialkritischen Themen handeln – in den Medien. Sigi war vielseitig, er schrieb auch Bücher, Musik für Theater, spielte verschiedene Rollen in Film und Fernsehen. Er machte aber auch kein Hehl daraus, Kommunist und Atheist zu sein.

Sigi Maron war bei allen Protestbewegungen von Arena über Zwentendorf bis Hainburg dabei. Sein Musikerkollege, der Musikjournalist und Radiomoderator Robert Rotifer, Enkel der Widerstandskämpferin und Kommunistin Irma Schwager, schreibt in seinem Nachruf so treffend: „Wo immer linker Aktivismus gefragt war, kam der Anarchokommunist Maron angerollt und machte ordentlich das Maul auf, ohne österreichische Rücksicht auf seine Karriere.“ Und über sein persönliches Treffen mit Sigi Maron: „Er hatte sich als einer der herzlichsten, lustigsten und gescheitesten Menschen herausgestellt, denen ich je begegnen durfte. Der Zorn in seinen Liedern war die eine Seite, die menschliche Wärme in Person (und der anderen Hälfte seiner Lieder) mindestens genauso wichtig.“

Sigi Maron kandidierte bei Wahlen mehrmals für die KPÖ in Niederösterreich auf vorderen Plätzen, so bei den Landtagswahlen 1998 und 2013 sowie bei den Nationalratswahlen 1986, 1999 (auf Platz 1 der NÖ Landesliste der KPÖ) und 2013. Im Jahr 2000 kandidierte er auch in der Stadt Baden bei den Gemeinderatswahlen auf der Liste „Linke alternative Badener/innen (LIAB)“.

Als Sigi 2013 für die Landtagswahlen kandidierte, wandte er sich auf der Webseite meinparlament.at mit der Begrüßung Seawas, griaß Eich, guten Tag. Da werden sich einige denken, noch so ein alter Trottel wie da Stronach. Wahrlich ich sage Euch, ich kaufe mir keine Abgeordneten. Haltung kann man nicht kaufen, ich war immer auf Seiten der Kleinen, der Unterdrückten, der Ausgebeuteten, der an den Rand Gedrängten, der Flüchtlinge egal welcher Hautfarbe oder Rasse und bin es noch immer“ an die Wählerinnen und Wähler.

Warum er für die KPÖ kandidiere, erklärte er vor den Nationalratswahlen 2013 in derStandard.at folgend: „Ich bin ja nicht nur Liedermacher, sondern immer auch ein politischer Mensch gewesen. Ich kann nicht über Arbeitsverhältnisse, Diskriminierung von Frauen und Behinderten singen und überhaupt für alle, die kein eigenes Sprachrohr haben, ohne selbst tätig zu werden. Ich fühle mich verantwortlich, etwas zu unternehmen.“

Die Frage „Wenn wir uns mit viel Fantasie vorstellen, dass Sie ins Parlament einziehen, für welche Bereiche wären Sie gerne Sprecher der KPÖ?“ beantwortete Maron mit: „Für Bildung.“

Die Verwendung deftiger Mundartausdrücke – wie sein berühmtes „Leckt’s mi aum Oasch!“ – in seinen Texten begründete er im „Standard“ so: „Ich verwende nicht die Sprache der Herrschenden, sondern die der Beherrschten. Wenn etwas eine Sauerei ist, dann soll man das auch beim Namen nennen.“

„Warum-noch-immer-Kommunist?“-Fragen parierte Sigi gerne mit dem Satz: „Wer seine Illusionen und Utopien bis ins Alter bewahren kann, ist kein Idiot, sondern ein Mensch, der noch immer Hoffnung hat.“ Jene, die ihre Utopien längst der sogenannten „Realpolitik“ geopfert  und es sich bequem gemacht haben, strafte er mit Verachtung. Für ihn galt stets sein Spruch: „Verhalte Dich immer so, dass Du Dich in der Früh‘ in den Spiegel schauen kannst, ohne dich anzuspeiben“.

Wir haben einen großartigen Menschen, einen Freund und Genossen verloren.

Erich Stöckl, für die Landesparteileitung der KPÖ Niederösterreich